Rezyklate statt Neuplastik

SIMTEK stellt Werkzeugverpackungen schrittweise Richtung recycelten Materialien um

 

Mössingen, 19. Mai 2026 – Werkzeughersteller SIMTEK hat vor rund zwei Jahren eine grundlegende Entscheidung im Verpackungsbereich getroffen: weg von neu produziertem Kunststoff, hin zu recycelten Materialien. Was zunächst wie ein klassisches Nachhaltigkeitsprojekt klingt, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als tiefgreifende Transformation weiter Teile des Verpackungssystems. Inzwischen betrifft die Umstellung auf sogenannte Rezyklate einen Großteil des Produktportfolios – und steht exemplarisch für einen praktikablen Weg in Richtung Kreislaufwirtschaft in der Industrie.

Initiiert wurde dieser Schritt von Bernd Ganter, Bereichsleiter Logistik und Lieferkette beim Präzisionswerkzeughersteller aus Mössingen. Für ihn war das Projekt von Anfang an mehr als eine Imageinitiative. „Unser Ziel war es, den Lebenszyklus der Verpackungen zu verlängern und so die Abhängigkeit von neuem Kunststoff deutlich zu reduzieren“, erklärt Ganter.

Tatsächlich zeigt sich die Umstellung zunächst rein optisch: Die bislang üblichen dunkelblauen Verpackungen wurden Rezyklat-bedingt durch graue ersetzt. Diese Farbgebung ist kein Designentscheid, sondern eine direkte Folge des Materials. Die verwendeten Rezyklate basieren überwiegend auf Polyethylen (PE) und Polypropylen (PP) aus Haushaltsabfällen („gelber Sack“). Da das Material dort nicht nach Farben sortiert wird, ergibt sich ein neutrales Grau. Für SIMTEK bedeutet das einen bewusst in Kauf genommenen Schritt weg von markenspezifischer Farbidentität – zugunsten von Nachhaltigkeit. „Grau ist das neue Blau“, bringt Ganter die sichtbarste Veränderung auf den Punkt.

Die Kundenreaktionen fielen überwiegend positiv aus, obwohl die Umstellung bewusst ohne größere kommunikative Begleitung erfolgte. „Das gestiegene Bewusstsein für Umweltfragen in der Branche trägt entscheidend dazu bei, dass derartige Veränderungen als notwendiger Fortschritt wahrgenommen werden“, erläutert Ganter, „Zumal wir weder bei Qualität noch Funktionalität Kompromisse eingehen müssen.“ Die Verwendung von Rezyklaten verlängert die Lebensdauer der Verpackungen, reduziert den Einsatz neuer Ressourcen und bringt sie einen entscheidenden Schritt näher an einen verlängerten Materialkreislauf.

Schrittweise auf 90 Prozent

Die Umstellung erfolgte sukzessive. Sobald bestehende Lagerbestände aufgebraucht waren, wurden sie durch Verpackungen aus Rezyklatmaterial ersetzt. Der Anteil variiert je nach Produktgruppe. Bei Trägerwerkzeugen und Wendeschneidplatten liegt er inzwischen bei rund 90 Prozent, bei Schneideinsätzen aktuell bei etwa 50 Prozent. „Damit sind wir unserem Ziel einer vollständigen Umstellung bereits erheblich nähergekommen“, freut sich der Bereichsleiter Logistik.

Die größeren Herausforderungen lagen weniger in der Optik als in der technischen Umsetzung. Hartmetallwerkzeuge reagieren empfindlich auf Stöße und Druckbelastungen – eine sichere Verpackung ist daher entscheidend, um Transportschäden zu vermeiden. Entsprechend umfangreich fiel die Testphase aus: In sogenannten Live-Tests wurden Werkzeuge unter realen Bedingungen versendet, um mögliche Schwachstellen frühzeitig zu identifizieren.

Materialkreislauf verlängert

Die Ergebnisse waren eindeutig: Die versendeten Testwerkzeuge wiesen keinerlei Beschädigungen auf. Maßgeblich dafür ist die präzise Konstruktion der Verpackungen. Die Werkzeuge sind so fixiert, dass sie entweder fest sitzen oder nur minimalen Bewegungsspielraum haben. Kollisionen innerhalb der Verpackung werden so zuverlässig verhindert. Besonders kritisch sind Ausbrüche an Schneidkanten oder Beschichtungen – genau hier konnte die Rezyklat-Lösung überzeugen. „Zu Ausbrüchen und Materialverschleiß sollte es erst im Zerspanungsprozess kommen und nicht schon auf dem Transportweg“, betont Ganter.

Auch wirtschaftlich hat sich die Umstellung stabilisiert. Während anfangs noch Mehrkosten von rund 20 Prozent anfielen, hat sich das Preisniveau inzwischen weitgehend dem der vorherigen Verpackungen angenähert. Damit entfällt ein häufiges Argument gegenüber dem Einsatz nachhaltigerer Materialien.

Ein weiterer Vorteil liegt in der Wiederverwertbarkeit. Während frühere Lösungen oft nur thermisch verwertet werden konnten, lassen sich die neuen Rezyklat-Verpackungen recyceln. Aus einem klassischen Einwegprodukt wird so ein Bestandteil eines verlängerten Materialkreislaufs.

Nachhaltigkeit noch nicht am Ende

Die Motivation hinter dem Projekt ist nicht allein technischer oder wirtschaftlicher Natur. Bernd Ganter erklärt: „Als Segler habe ich über die Jahre die zunehmende Verschmutzung der Meere mit Kunststoffabfällen unmittelbar miterlebt. Diese Eindrücke haben meinen Entschluss bestärkt, aktiv gegenzusteuern, indem wir weniger neuen Kunststoff einsetzen und vorhandene Materialien so lange wie möglich im Kreislauf halten.“

Rezyklate sind aus Sicht von SIMTEK ein wichtiger Zwischenschritt, aber keine abschließende Antwort auf die Kunststoffproblematik. Alternative Verpackungsmaterialien wie biobasierte oder biologisch abbaubare Kunststoffe sind im industriellen Maßstab bislang nicht etabliert. „Wir beobachten die Entwicklungen sehr genau und prüfen Alternativen, sobald sie für den sicheren Transport von Hartmetallwerkzeugen infrage kommen“, so Ganter.

Das Grau der Rezyklate ist damit längst mehr als nur eine neue Farbe bei SIMTEK-Verpackungen, es steht für ein grundlegendes Umdenken in der Industrie. 

Veränderung als notwendiger Fortschritt

Bernd Ganter - Bereichsleiter Logistik und Lieferkette bei SIMTEK

Bernd Ganter, Bereichsleiter Logistik und Lieferkette bei SIMTEK: „Das gestiegene Umweltbewusstsein in der Branche sorgt dafür, dass solche Veränderungen als notwendiger Fortschritt verstanden werden – ohne Kompromisse bei Qualität und Funktionalität eingehen zu müssen.“

Aus Blau wird Grau

Vorher/Nachher: Die SIMTEK Verpackungen im Vergleich SIMTEK Verpackungen sind nun grau

Ressourcenschonend verpackt: Beim Werkzeughersteller SIMTEK werden die bisher blauen Verpackungen durch recyclebare graue Rezyklat-Lösungen ersetzt.

Keine Kompromisse bei Qualität und Funktionalität

SIMTEK Rezyklatverpackungen Sicher geschützt: SIMTEK Werkzeuge in der recycleten Verpackung

Sicher geschützt: Die Rezyklat-Verpackungen fixieren die Werkzeuge präzise und verhindern Beschädigungen durch Stöße oder Bewegung während des Transports.

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